Die Malkasten-Affäre

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Der 3:0 Sieg gegen die Mannschaft aus Island ist eher in den Hintergrund geraten. Der Grund: Eine gut gemeinte Aktion mit einem Geschmäckle

Vor dem Anpfiff zum ersten WM Qualifikationsspiel gegen Island (3:0) am 25.03.2021 gab es von der DFB Elf eine Botschaft an das WM 2022 Gastgeberland Katar. Die Mannschaft stand bei den Mannschaftsfotos mit schwarzen Shirts da, auf denen die Buchstabenkette H U M A N R I G H T S stand. eine Botschaft, die (hoffentlich) von allen beteiligten mitgetragen wird und demonstrieren sollen, dass man mit den Menschenrechten in Katar nicht d’accord geht. Im ersten Moment haben alle ZU RECHT applaudiert.

Der DFB positionierte sich so, dass diese Aktion von einigen Spielern der Nationalmannschaft initiiert worden. Bis dahin klingt das gut, zumal ja auch viele Spiele mit Migrationshintergrund dabei sind. Aber dann kamen die Tage danach. Und die PR Abteilung des DFB…

Der DFB versucht seit Oliver Bierhoff am Ruder ist, immer mehr sich strategisch – Vor allem in sozialen Medien zu positionieren. Mit Kampagnen wie #ZSMMN, die eher zur Entfremdung anstatt der erhofften Wiederannäherung führten, zog man sich nun erneut eine Eintrittskarte für das Fettnäpfchen. Der durchaus gut gemeinte Aktion Human Rights wurde ein Making Off Video hinterher geschoben, wo man Manuel Neuer, Ilkay Gündogan oder Joshua Kimmich beim Bepinseln der Shirts sah.

Man sollte die Kirche allerdings auch im Dorf lassen. Und in diesem Fall am besten gar nicht anfassen. Denn wer ernsthaft glaubt, dass zufällig Malkästen oder Malersachen im Hotel standen und sich die Spieler dachten “Was machen wir jetzt damit,” irrt. Was oftmals untergeht: Die Norweger und die Niederländer haben ebenfalls am ersten Spieltag der Quali mit T-Shirts auf Human Rights vs. Katar aufmerksam gemacht. Mehr auch nicht. Es gab keine Werbetrommel, die dann danach noch gerührt wurde.
Und genau das hätte der DFB auch machen sollen!

Aufzeigen, dass die Menschenrechte in einigen Ländern nicht mal mehr mit Füßen getreten werden, sollte man IMMER und ÜBERALL! Daraus aber eine soziale Roadshow, um zu sagen wie toll man nicht ist, sollte man aber lassen. Zumal Joshua Kimmich in der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Island richtig sagte: Die WM wurde schon vor vielen Jahren vergeben und man hätte da schon viel früher protestieren müssen. Denn das einzige Zeichen wäre, nicht zu dieser Weltmeisterschaft zu fahren. Alles andere wirkt wie eine Doppelmoral.

Genauer gesagt, seit dem 19. Dezember 2008 – 9 Tage nach dem Jahrestag der Menschenrechte (Human Rights). Bis dato hat sich gefühlt nichts in dem Land verändert und sich jetzt – knapp 13/4 Jahre vor der Endrunde hinzustellen und den Moralapostel zu predigen ist definitiv zu spät, auch wenn es natürlich unabdingbar ist, permanent darauf hinzuweisen.

Der Deutsche Fußball Bund sollte sich, als immerhin größter nationaler Sport-Fachverband, mal 2 – 3 Schritte vom PR-Regal entfernen, um auch mal einen Überblick zu bekommen, was dort suboptimal gelöst wird und was nicht. Denn mit solchen inhaltlich tollen, aber im Abgang eher bitteren Aktionen, verschafft man sich leider keine Freunde, sondern stößt nur auf noch mehr Gegenwehr.

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