So weit und doch so nah – Der erste Eindruck

Lesedauer: 3 Minuten

Gestern Abend ca. 20 Uhr, sitze ich am Computer und mache gerade ein Backup von meinen Raspberrys. Plötzlich – und ganz unverhofft, bekomme ich auf einmal mehrere Nachrichten. Von Twitter, via Facebook und über WhatsApp, ob es uns gut geht.

Darauf hin schaue ich schnell nach und traue meinen Augen nicht. Es ist passiert…

Kurzer Rückblick. Jeder weiß, wo er am 11.09.2001 war. 09/11. Als das World Trade Center kollabierten. Der Eine sagt, es war ein Angriff auf die USA – ich sage, es war ein Angriff auf die Menschheit. Von Menschen, die – so sagen es viele Psychologen, in einer Phase ihres Lebens durch die Versuchung was besonderes zu sein und gehört zu werden, den für uns falschen weg einschlugen.

Du und ich wissen auch noch genau, was wir in diesem Moment gefühlt und gedacht hatten.
Für mich war es schon ziemlich krass, aber es war halt – auch gefühlt, irgendwo im Nirgendwo, weil es halt tausende von Kilometern weg war. Ich hab relativ viele Meinungen gehört. Von der Frage „Kann das auch bei uns passieren“ bis hin zu „die Amis sind ja selber schuld“ war alles vertreten.

Man darf den Ball ruhig mal in die andere Richtung spielen!

Es passierte aber auch nichts. Zumindest nichts einschneidenes. Bis 2005 dann die ersten Mohammed Karikaturen in der dänischen Jyllands-Posten. Dem aber nicht genug. Es folgen weitere Karikaturen in Deutschland und in Frankreich. Charly Hedbo und die französische France Soir waren öffentlich der Meinung, dass sie das Recht haben, Gott zu karikieren. Das war dann zu viel des guten und es kam zu Anschlägen in Paris. Eventuell war das ein Auslöser. Aber auch nur Eventuell.

Satiriker*innen meinen, sie dürfen alles. Satiriker*innen sind der Meinung, Satire darf alles. Ich weiß ja nicht, wie Du das siehst, aber ich finde, dass darf es eben nicht. Sobald es beleidigend oder hetzerisch wird, MUSS da eine Grenze sein! Man kann nämlich nicht immer nur in Hass getränkte Giftpfeile in Richtung der Täter schießen. Man darf den Ball ruhig mal in die andere Richtung spielen! Und da sollte man auch hinterfragen, ob die jenigen Damen und Herren das auch in ihre Richtung lustig finden würden. Weil es darf ja alles.

Springen wir ein Stück vor in der Timelime, wie man das vor allem als Twitter User ja sagt. 2016 fuhr ein Täter mit einem LKW im Berliner Weihnachtsmarkt spazieren. Ab diesem Zeitpunkt dachte ich mir „Fuck! Das ist schon verdammt nah!“
Aber es ging dann in den unendlichen Windungen des Hirns verloren. Denn die unmittelbare Gefahr kam ja nicht. Dann gab es noch Halle und erst vor kurzem das Desaster im Deutschen Hanau.

Was wohl immer ein wenig dazu beigetragen hat, dass man die Angst – oder sagen wir besser, die Wahrnehmung unterdrückt hat, könnte vielleicht daran liegen, dass die Hintergründe immer wieder andere waren.  Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Wenn Du eine Idee hast, dann kannst Du es mir ja gerne schreiben.

Es ist passiert…

Ich saß also da und glaubte erst nicht, was ich da laß. Dann kam von einem Freund und Podcastkollegen eine WhatsApp.

„Was geht bei euch?“ Das war seine Frage. Ich starrte noch immer auf den Monitor und versuchte die Infos zu lesen. Ich bekam ein Video zugespielt. Ich sah es 2 mal an. Fassungslos. Die Meinung meiner Frau: „Jetzt drehen alle durch.“

Eine Schießerei. Mitten im Herzen von Wien. Am Schwedenplatz, dem wohl meist frequentieren Platz zu dem Zeitpunkt. Es war der letzte Abend vor dem Lockdown 2 und da wollten viele nochmal die Möglichkeit nutzen, um etwas Essen oder Trinken zu gehen. Alles legitim und mit Einhaltung der Regeln ganz in Ordnung.

Ein oder mehrere Täter gingen mit Waffen im Anschlag spazieren und schossen wahllos auf Menschen! Die Polizei Wien hatte zumindest zu diesem Zeitpunkt einen der Täter (man weiß bis jetzt noch keine genaue Anzahl) neutralisiert. Und das binnen 9 Minuten.

Aber man wusste nicht. Gar nichts. Es wurde zwar kein Notstand ausgerufen, aber die Bitte ausgerufen, nicht raus zu gehen, bis das Innenministerium wieder grünes Licht gibt.

Aktuell kann man leider nicht viel weiter dazu sagen. Aber auch, wenn meine Familie und ich außerhalb von Wien wohnen, es verlagert sich aktuell auch in die Bundesländer.

Selbst im rund 200km entfernten Linz in Oberösterreich wurde bereits eine Festnahme getätigt. Und nun gibt es auch noch die Gefahr, dass es Nachahmungstäter gibt.

Und auch wenn es jetzt schwer ist, man darf Hass nicht mit Hass kontern. Denn das produziert noch mehr Hass!

Jetzt muss man noch mehr zusammenhalten.

Bleibt stabil und passt auf euch auf.

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Jörg Mülling
Jörg Mülling

Podcaster. Blogger. Nerd. Seit 2021 Freier Journalist.

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