Klima(katastrophen)ticket Österreich

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Es war eine lange Diskussion und ein steiniger Weg zum Klimaticket. Das Österreichs Nahverkehr revolutionieren, vereinfachen und vor allem eins: GÜNSTIGER machen sollte.
Das trifft aber nicht auf alle zu. Eigentlich auf ganz wenige Menschen.

Zuerst muss ich wohl mal erklären, wer oder was das Klimaticket ist. Wer es bereits weiß, kann diesen Teil gerne überspringen.
Es gibt in genauso wie in jedem Land der Welt, verschiedene Verbundregionen für den öffentlichen Nahverkehr. In speziell unserem Fall nutzen wir bis jetzt die ÖBB Österreichcard Familie 2. Klasse. Diese gilt für 2 Elternteile und max. 4 Kinder zwischen 6 und 15 Jahre. Nutzbar auf ALLEN Zugstrecken der ÖBB innerhalb Österreichs, einigen Privatbahnen und das alles für knapp 180,– Euro im Monat. Ein All in Paket, dass auch das Auto schlägt. Mit rund 5,70 Euro am Tag, also EUR 2084,- im Jahr ist das gut. Wenn ich überlege, dass ich alleine pro Arbeitstag EUR 24,40 als Einzelticket ziehen müsste.
Nachteil: Es ist halt nur die ÖBB in diesem Paket enthalten.

Das Ministerium kam also – auf die Idee, sie erfinden das Klimaticket Ö. So kann man mit attraktiven Angeboten und mehr Flexibilität die Autofahrer auf die Schiene bringen, da man – im Gegensatz zur ÖBB Variante, auch Straßenbahnen, Busse oder U-Bahnen mit nutzen kann. Und das alles für sagenhafte 1095,– Euro im Jahr. Klingt mal gut. Wenn man nun eine Familie hat, dann legt man einfach 155,– Euronen drauf und kann dann dort wieder bis zu 4 Kinder – es müssen nicht mal die eigenen sein – mitnehmen. Also wie bitte? 1250 Euro statt 2084? Nice! Wo muss ich unterschreiben?

Beim genaueren hinsehen, ist das allerdings eine ordentliche Bauernfängerei. Sicher ist das Angebot verlockend, ist aber mit einem am „Mobilfunkvertrag gekoppelten neuem Smartphone-Vertrag“ zu vergleiche. Oder einem Jamba Monatsabo. Die Ü40 Generation erinnert sich daran.
Denn dieses TOP TOP TOP – RUFEN SIE JETZT AN SCHNAPPER RED BUTTON ANGEBOT ist nur so lange billiger, solange man entweder:

    • Alleine ist und nur 1 Klimaticket benötigt
    • Ein Klimaticket mit dem Familienzuschlag braucht.

Und auch beim 2. Punkt erst ab dem 3. Kind, denn wenn man das mit einem Top-Jugendticket (70,– Euro) und einem einfachen Klimaticket (EUR 1095,–) nimmt, ist es auch schon wieder teurer! Denn ein weiterer Nachteil: Die Kinder werden bei der Familienvariante namentlich nicht erfasst. Man darf also bis zu 4 Kinder von irgendwem. Deshalb können die Kids, anders wie bei der ÖC, nicht alleine damit fahren, sondern müssen sich dann jedes Mal einen Fahrschein kaufen. Diese Kosten sind hier noch nicht mal mit einkalkuliert. Sprich, für Schulausflüge oder ähnlichem – sofern unsere Kinder das jemals wieder machen dürfen, bräuchten Sie hier wieder personalisierte Top-Jugendtickets, ein eigenes Klimaticket um 821 Euro pro Jahr oder eben Fahrscheine. Und da sind die Fahrscheine auch wieder auf Summe teurer.

Auch schlecht abgebildet ist auch, wenn beide Elternteile getrennt mit aufgeteilten Kids gleichzeitig wo hinfahren wollen. Die einen zum Fußball, die anderen in die Therme. Für solche Themen hat die Politik sich anscheinend ganz schön den Kopf zerbrochen, ist auf keinen gemeinsamen Nenner gekommen und hat einfach gesagt „Hey, dann brauchen einfach beide Eltern diesen Familienzusatz. Dann brauchen beide ein komplettes Klimaticket Ö Familien Kartenpaket. Das sind dann doppelte Einnahmen.“

Ganz ehrlich: Was soll das?

Hier mal die Gegenüberstellung, welchen „Benefit“ wir als Familie die Regierung da hat.

Wie man sieht: Man (und Frau) legen hier bis zu 3390 Euro im Jahr drauf, wenn man die falsche Variante wählt. Das ist schon ziemlich heftig.

Aber was ist nun mit denen, die z.B. mit der ÖBB nach Wien pendeln und dann dort mit den Wiener Linien, also dem städtischen Nahverkehr weiterfahren? Selbst dann muss man rechnen, denn auch dass ist nicht immer gleich billiger mit dem Klimaticket!

Aber was ist, wenn man bereits eine Österreich Card hat und wegen einer Kündigung angeschrieben wurde?

Tja, dann ist man erstmal verlassen und verloren. Denn da sind die Mitarbeiter in der Hotline und am Schalter schwersten überfragt.
Fakt ist: Die Österreich Card wurde per Stichtag seitens der Österreichischen Bundesbahnen gekündigt. Dieser Kündigung kann auch nicht widersprochen werden!
Man muss also zum Schalter gehen (Online ist das nämlich auch nicht mehr Möglich) und dort mit allen Papieren etc. wieder die Karte NEU BEANTRAGEN! Sie wird von der ÖBB NICHT verlängert! Und man darf auch gleich die ersten 2 Monate anzahlen. Der Rest wird dann wie gewohnt abgebucht. Ob dieses Prozedere das dann jedes Jahr so ist, kann aktuell kein Mitarbeiter und keine Mitarbeiterin sagen.
Versucht auch kein Mail zu schicken, denn da bekommt man dann erst so nach 4 – 7 Wochen eine Antwort, die einem auch nicht unbedingt weiterhelfen kann, so wie bei uns. Da haben wir keine Antwort, sondern einfach ein Mail zugeschickt bekommen. Mit der Bitte, am besten bei der Hotline anzurufen. Vielen Dank für nichts! Man kann Dinge aus wirtschaftlicher Sicht aber natürlich legal so verschleiern und verkomplizieren, damit man entnervt aufgibt und sich einfach dieses Klimaticket aufdrücken lässt, damit man nicht mehr schauen und reden muss. Da frisst man auch selbstverständlich die Kröte der unnötigen Mehrkosten. Strategisch gar nicht ungeschickt, liebe ÖBB und liebes Ministerium. In wie weit man sich hier noch in der Grauzone bewegt, kann ich nicht ganz bewerten, aber da kann man sich in Österreich ja eh nicht mehr ganz sicher sein.

Wenn Du ein wenig probieren möchtest, ob sich Dein Szenario auszahlen oder nicht, dann kannst Du dir hier das Excel zum berechnen herunterladen. Natürlich alles ohne Gewähr meiner seits. 😉

Welche Erfahrungen hast Du gemacht und bist Du schon umgestiegen?

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Jörg Mülling
Jörg Mülling

Podcaster. Blogger. Nerd. Seit 2021 Freier Journalist.

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