Fußball – Um jeden Preis

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Es ist schon schräg. Eine Fledermaussuppe hat offiziell dazu beigetragen, dass wir in der größten Pandemie stecken und nicht wirklich eine Besserung in Sicht ist.

Das Ganze hat auch den Sport mitgerissen. Amateursportler dürfen aktuell nur mehr trainieren, Sportarten, die in Europa nicht dem Mainstream Fußball standhalten können, kämpfen ums Überleben.

Der Profifußball darf aber fast alles. Damit UEFA und FIFA keine Pönalen wegen Vertragsbruch zahlen muss und dafür aber Sponsor- und TV-Gelder einstreifen kann, geht man an die Grenzen. Anscheinend auch an die Grenzen des Legalen.

Meine These

Die EM2020 wurde ja bekanntlich auf 2021 verschoben und um Kosten zu sparen bzw. das Branding durchzuziehen, bleiben Name, Logo und alles was dazugehört gleich. Sogar die Hashtags auf Twitter und Co. werden weiterhin so genommen.

Damit man aber die sehr fragwürdige „European Nations League“ – die Paradedisziplin der Deutschen Nationalmannschaft durchziehen kann, muss man diese in eine Bundealigasaison pressen, die

  • später begonnen hat
  • früher endet (wegen EM)
  • keine Winterpause hat

Bis zu 75 Spiele in einem Jahr

Dazwischen werden dann noch immer Freundschaftsspiele gepackt, die auch vorab schon geplant und an die Medien verkauft wurden.

Dazu kommen auf Klubebene vielleicht auch noch

  • Europa- oder Champions-League
  • Landespolitik
  • Bundesliga

Gehen wir mal vom Worst Case eines Spielers aus, dann kann er auf bis zu 75 (FÜNF UND SIEBZIG!!!) Spiele in einer Saison kommen!

Nochmal: Bis zu 75 Spiele in einem Jahr!

Gehen wir mal von der Deutschen Bundesliga und einem Top Spieler beim FC Bayern, denn da ist die Chance leider am realistischsten.

  • 34 Spiele Liga
  • 6 Spiele DFB Pokal
  • 1 Spiel SuperCup Liga
  • 13 Spiele Champions League
  • 1 Spiel UEL SuperCup
  • 1 Spiel Weltpokal
  • 8 Spiele Nation League (Nationalmannschaft)
  • 7 Spiele EM (Nationalmannschaft)
  • 2 Testspiele (Nationalmannschaft)
  • 2 Spiele Club WM

Dazu vielleicht auch noch das ein oder andere Freundschafts- oder Benefizspiel für den Verein.

Um welchen Preis

Seit Anfang der Saison war klar: Das wird eine Gratwanderung. Zum einen muss wegen der Krise der Kader erschwinglich sein, auf der anderen Seite braucht man einen relativ breiten Kader, um dieser Belastung stand halten zu können. Denn je besser die Platzierung in der heimischen Liga, desto mehr TV-Gelder gibt es.

Info: Wer mehr dazu wissen will, der sollte sich die Investigativ Folgen vom Adler-Podcast anhören. Hier erklären wir unter anderem auch, wie viel diese TV-Gelder ausmachen.

Jetzt hat man aber durch die Geisterspiele schon einiges an Einbußen gemacht. Also kann man auf dem Transfermarkt auch nur begrenzt zuschlagen. Man hat ja gesehen, dass 98% aller Vereine sehr überschaubare und vor allem späte Transfers getätigt haben.

Vereine, wie etwa meine Frankfurter Eintracht, die eher so in der Range 6 – 12. angesiedelt ist, war es nahezu unmöglich hohe Transfererlöse zu erzielen, da man es sich zum einen aus Gründen der Kaderplanung nicht leisten konnte und die suchenden Vereine die aufgerufenen Summen nicht zahlen wollten oder konnten.

Daher wurden in dieser Saison relativ viele günstigere Spieler aus kleineren Ligen verpflichtet. Und genau da ist das nächste Problem. Diese Spieler helfen meistens schon im Normalbetrieb nicht gleich weiter, weil sie sich erstmal an das Niveau gewöhnen müssen.

Durch die Spiele in den zig bewerben gibt es – zumindest gefühlt, viel mehr schwerwiegende Verletzungen. Das ist nicht nur für den Spieler, sondern auch für Verein, Verband und Liga schlecht. Verletzten sich viele Topstars und müssen dafür unerfahrene Spieler in die Bresche springen, leidet darunter natürlich auch die Qualität.

Es ist wirklich erschreckend, was die Verbände für Geld in Kauf nehmen und wie weit sie gehen, auch wenn es wirtschaftlich gesehen Sinn macht.

False Positives

Der Zeitplan und die Reisen in Internationalen Gefilden machen es möglich: Corona Infektionen. Aber die Reisen der Teams in ganz Europa (und wahrscheinlich auch weltweit) gehen auch in Hotspot Gegenden. Meistens folgt einige Tage später eine Meldung mit Infektion. Noch schräger sind dann solche Sachen, wie kürzlich in Salzburg. Aber bilde Dir am besten eine eigene Meinung…

Diese Meldung ist von Red Bull Salzburg am Montag rausgegangen.

Und diese Meldung kam nicht mal 1 Tag später…

Böse Zungen behaupten, man wollte so vermeiden, dass die Nationalspieler zu ihren Teams können. Zumal sie am Wochenende noch im Spitzenspieler gegen Rapid Wien gespielt haben, und da noch genau nichts war.

Ich könnte mir aber durchaus vorstellen, dass es den ein oder anderen Verein gibt, der sie Covid oder Angeschlagen Karte zieht. Klar kann der Verband den Spieler noch unabhängig untersuchen lassen, aber ob das bei dem engen Zeitfenster überhaupt geht, wage ich aber mal ganz stark zu bezweifeln.

Denn die Vereine können bei nicht Freistellung durchaus auch eine Strafe kassieren. Das sollten die Verbände in der aktuellen Lage einfach mal überdenken. Aber dann wäre das Produkt wohl kein Produkt mehr.

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Jörg Mülling
Jörg Mülling

Podcaster. Blogger. Nerd. Seit 2021 Freier Journalist.

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